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Was ist Neuraltherapie?

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Was ist Neuraltherapie?

Die Neuraltherapie ist eine Regulations-, also Ordnungstherapie, die unter Verwendung von Lokalanästhetika durchgeführt wird.

Der menschliche Körper ist ein elektrischer Körper. Unser gesamter Körper bildet ein Netzwerk mit einer Länge von bis zu 500.000 km. Erregbare Gewebe reagieren auf jeden Reiz, indem sie die elektrischen Eigenschaften ihrer Zellmembranen verändern und ein Aktionspotenzial erzeugen und weiterleiten. Nerven- und Muskelgewebe sind erregbare Gewebe.

Das Ruhepotenzial einer gesunden Zelle liegt zwischen -40 und -90 mV. Das Ruhepotenzial einer erkrankten Zelle ist niedriger, wodurch ihre Erregungsleitung gestört ist. Lokalanästhetika hyperpolarisieren das Aktionspotenzial der Zelle mit einer Kraft von etwa -290 mV und bringen sie wieder auf -40 bis -90 mV zurück — ein Potenzial, bei dem sie wieder leitfähig ist — und stellen so die normale Zellfunktion wieder her. Auf diese Weise wird aus einer erkrankten Zelle wieder eine gesunde Zelle.

Die Neuraltherapie stimuliert und reguliert das vegetative (autonome) Nervensystem, das ein weitreichendes elektrisches Netzwerk im ganzen Körper bildet. Lokalanästhetische Injektionen an bestimmten Stellen regulieren drei Kreisläufe im Körper: die Blutzirkulation, die Lymphzirkulation und die Nervenleitung. Verbessert sich die Durchblutung, wird das Gewebe besser versorgt; verbessert sich die Lymphzirkulation, wird das Gewebe von Stoffwechselprodukten gereinigt; wird die Nervenleitung reguliert, arbeitet das Gewebe geordneter. Ein versorgtes, gereinigtes Gewebe mit geregelter Signalübertragung besitzt eine größere Selbstheilungsfähigkeit.

Das Grundprinzip der Neuraltherapie ist die Regulation. Ein struktureller Defekt oder eine genetische Störung stellt keine Indikation für die Neuraltherapie dar. Diese in den 1940er-Jahren in Deutschland entwickelte und in ganz Europa verbreitete ärztliche Behandlungsmethode ist sowohl eine kurative Therapie als auch ein Verfahren der präventiven Medizin — denn von Krebs über einfache Schmerzen bis hin zu viralen Erkrankungen und Allergien liegt vielen Beschwerden dieselbe zugrunde liegende Störung zugrunde: eine gestörte Durchblutung, Lymphdrainage und Innervation im betroffenen Gewebe oder Körperbereich.

Wie wirkt die Neuraltherapie?

Die Neuraltherapie wirkt über zwei zentrale Mechanismen:

  • Segmentaler Mechanismus: Wirkt über eine anästhetische Injektion in das Segment, in das sich die Beschwerde erstreckt, und über die Verbindung dieses Segments zum Rückenmark. Der menschliche Körper wird in insgesamt 30 „Head-Zonen“ (Segmente) unterteilt — 8 zervikale, 12 thorakale, 5 lumbale und 5 sakrale — und alles innerhalb eines Segments steht miteinander in Beziehung.
  • Störfeldtherapie: Eine örtliche Reizung irgendwo im Körper — früher oder gegenwärtig (eine Operationsnarbe, eine Entzündung, ein Trauma usw.) — kann sich mit der Zeit zu einem pathologischen Herd (einem „Störfeld“) entwickeln, das das vegetative Nervensystem stört. Wird dieses Feld beseitigt, kann ein plötzlicher Rückgang der Symptome eintreten. Störfelder befinden sich häufig im Kopfbereich, insbesondere an Zähnen, Mandeln und Nasennebenhöhlen.

Ein Lokalanästhetikum, das in gestörtes Segmentgewebe appliziert wird, unterbricht nicht nur pathologische Reflexbahnen — es hilft auch, die gestörte Zellmembran auf das richtige Potenzial zu repolarisieren und so die vegetativen Funktionen wieder zu normalisieren. Quelle: Dr. Hüseyin Nazlıkul, Neuraltherapie (Buch).

Wie wird die Neuraltherapie angewendet? Behandlungsschritte

Je nach Zustand des Patienten verläuft die Behandlung in fünf abgestuften Schritten:

  • 1. Ausführliche Anamnese und Untersuchung: Zusätzlich zur allgemeinen Anamnese werden Ereignisse, die zeitlich mit dem Auftreten der Beschwerde zusammenfallen (frühere Operationen, Traumata, Erkrankungen, emotional belastende Phasen), ausführlich erfragt.
  • 2. Lokale / oberflächliche Behandlung: Oberflächliche Injektionen werden an der Schmerzstelle oder an entsprechenden Akupunkturpunkten gesetzt.
  • 3. Segmentale und tiefe Injektionen: Reicht die lokale Behandlung nicht aus, werden Injektionen in das mit der Beschwerde verbundene Segment appliziert (zum Beispiel eine Iliosakralgelenk-Injektion).
  • 4. Ganglientherapie: Zeigt die segmentale Behandlung keine Wirkung, werden Ganglien oder Triggerpunkte mit übergeordneter Wirkung einbezogen.
  • 5. Störfeldtherapie: Bleibt trotz der vorherigen Schritte eine Reaktion aus, werden mögliche Störfelder im Körper gesucht und behandelt.

Etwa 24 Stunden nach jeder Anwendung wird der Patient erneut untersucht und jede Veränderung der Beschwerden dokumentiert; solange die Behandlung anspricht, wird sie bis zur Genesung fortgesetzt. Weitere Einzelheiten zum Behandlungsablauf finden Sie unter Behandlungsprotokoll der Neuraltherapie.

Für wen eignet sich die Neuraltherapie?

  • Sie kann bei Patienten jeden Alters angewendet werden, einschließlich Kindern und älteren Menschen.
  • Chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzerkrankungen sowie regelmäßig eingenommene Medikamente stellen in der Regel kein Hindernis für die Behandlung dar.
  • Nur bei Patienten unter Kortisontherapie, deren Immunantwort umfassend unterdrückt ist, kann die Wirksamkeit der Behandlung vermindert sein.
  • Bei Patienten unter blutverdünnenden Medikamenten (z. B. Cumarinen) ist bei manchen Anwendungen besondere Vorsicht geboten; oberflächliche Anwendungen an der Haut sind in der Regel unbedenklich.

Wir empfehlen, Ihre individuelle Eignung mit Ihrem Arzt zu besprechen.

Kurze Geschichte der Neuraltherapie

Die der Neuraltherapie zugrunde liegende Lokalanästhesie-Forschung reicht bis in die 1840er-Jahre zurück; in ihrer heutigen Form wurde sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland von den Brüdern Ferdinand und Walter Huneke entwickelt und verbreitete sich in ganz Europa als ärztliche Behandlungsmethode. In die Türkei wurde sie unter der Leitung von Dr. Hüseyin Nazlıkul eingeführt; die 2004 gegründete Wissenschaftliche Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulationsmedizin (BNR) sorgt unter dem Dach der IFMANT (International Federation of Medical Associations of Neural Therapy) für einheitliche Ausbildungs- und Anwendungsstandards. Mehr dazu auf unseren Seiten zur weltweiten Geschichte und zur Geschichte in der Türkei.

Häufig gestellte Fragen zur Neuraltherapie

Ist die Neuraltherapie dasselbe wie Akupunktur?

Nein, es handelt sich nicht um dieselbe Methode — auch wenn es Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten im Wirkmechanismus gibt, ist die Beschreibung der Neuraltherapie als „grobe Form der Akupunktur“ eine falsche Einschätzung. Einen ausführlichen Vergleich finden Sie auf unserer Seite Fragen und Antworten.

Hat die Neuraltherapie Nebenwirkungen?

Bei korrekter Dosierung und Anwendung durch einen erfahrenen Arzt sind Nebenwirkungen selten. Bei Patienten unter Blutverdünnern oder Kortisontherapie gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen; es ist wichtig, Ihrem Arzt vor der Behandlung Ihre Medikamente und Ihre Krankengeschichte mitzuteilen.

Wie kann man eine Ausbildung in Neuraltherapie absolvieren?

Die Ausbildung in Neuraltherapie erfolgt in abgestuften Seminarprogrammen nach BNR- und IFMANT-Standards. Einzelheiten finden Sie unter Teilnahme- und Zertifizierungsvoraussetzungen.