Auf welche Körperregionen wird die Neuraltherapie angewendet?
Diese Methode, die sowohl zur Diagnosestellung als auch zur Behandlung eingesetzt werden kann, deckt durch ihre Anwendungsform und ihre Zielregionen ein recht breites Spektrum ab. Die Bereiche, in denen die Neuraltherapie angewendet wird, werden jedoch individuell anhand des Gesundheitszustands, der Beschwerden und der Behandlungsziele des Patienten festgelegt.
Regionen, in denen die Neuraltherapie angewendet wird
Die Neuraltherapie kann wirksam an verschiedenen Regionen und Strukturen des Körpers angewendet werden. Hier sind die wichtigsten Anwendungsbereiche:
1. Segmentale Therapie (Dermatome und Myotome)
Bei dieser Methode wird die Nervenleitung in einem bestimmten Segment des Körpers reguliert. Dermatome bezeichnen die einem bestimmten Rückenmarkssegment zugeordneten Hautareale, Myotome die entsprechenden Muskelgruppen.
- Ziel: Ein Gleichgewicht der sympathischen und parasympathischen Nerven im betreffenden Segment herzustellen.
- Anwendungsbereiche: Rücken-, Kreuz-, Nacken-, Bauch- und Brustschmerzen sowie funktionelle Störungen.
2. Ganglientherapie
Durch Injektionen in die Bereiche der sympathischen Ganglien wird eine Regulierung des vegetativen Nervensystems angestrebt.
- Beispielregionen: Das Ganglion stellatum im Halsbereich oder die lumbalen sympathischen Ganglien.
3. Spinalnerven-Injektionen
Diese Methode zielt auf die aus dem Rückenmark austretenden Nervenwurzeln ab.
- Ziel: Linderung von Schmerzen und Beseitigung von Entzündungen.
- Anwendungsbereiche: Bandscheibenvorfall, Ischiasschmerzen und ähnliche Beschwerden.
4. Kutane und subkutane Injektionen
Wird die Neuraltherapie oberflächlich in die Haut oder ins Unterhautgewebe appliziert, reguliert sie die Durchblutung in den betroffenen Bereichen und unterstützt den Heilungsprozess.
- Ziel: Störfelder auszuschalten und die Durchblutungsfunktionen zu verbessern.
- Anwendungsbereiche: Operations- und Narbengewebe, chronische Schmerzen.
5. Muskel- und Bindegewebe
Durch Behandlungen, die an Muskelgewebe, Bändern und anderen für die Bewegung verantwortlichen Strukturen angewendet werden, lassen sich Verspannungen und Schmerzen reduzieren.
- Ziel: Beseitigung von Problemen des Bewegungsapparats.
- Anwendungsbereiche:** Fibromyalgie, Tendinitis, Sportverletzungen.
6. Intravenöse Anwendungen
Manchmal sind intravenöse Injektionen erforderlich, um Toxine auszuscheiden oder die Durchblutung zu verbessern. Darüber hinaus können bei Durchblutungsstörungen der unteren Extremitäten intraarterielle Injektionen bevorzugt werden.
Neuraltherapie und Diagnosefunktion
Diese Behandlungsmethode ist nicht nur zur Linderung von Symptomen, sondern auch als wirkungsvolles Instrument zur Diagnosestellung geeignet. Nach Horst Ferdinand Herget dienen neuraltherapeutische Anwendungen zu 70 % der Diagnose und zu 30 % der Behandlung.
- Einsatz zu diagnostischen Zwecken: Während der Behandlung können anhand der Veränderungen der Symptome des Patienten die problematischen Bereiche identifiziert werden. Dies erleichtert das Erreichen der richtigen Diagnose.
Regionen und Situationen, in denen die Anwendung vermieden werden sollte
Obwohl die Neuraltherapie in vielen Bereichen angewendet werden kann, muss sie in bestimmten Situationen sorgfältig abgewogen werden:
- Kopf- und Schädelbereich: Intravenöse Injektionen dürfen in diesem Bereich nicht durchgeführt werden, da sie zu schwerwiegenden Komplikationen führen können. Zu diagnostischen Zwecken ist eine Anwendung unter kontrollierten Bedingungen jedoch möglich.
- Kontraindikationen:** Bei akuten Infektionen, malignen Erkrankungen, Blutungsstörungen oder Gerinnungsproblemen ist Vorsicht geboten.
Behandlungsziel:
Das grundlegende Ziel der Neuraltherapie besteht darin, sich auf eine bestimmte Region des Körpers zu konzentrieren, der Ursache des Problems auf den Grund zu gehen und die Symptome durch die Regulierung des vegetativen Nervensystems zu lindern. Vor diesem Hintergrund gilt:
1. Identifikation der problematischen Region: Bei jedem Patienten muss der spezifische Problembereich korrekt bestimmt werden.
2. Lokale und systemische Anwendungen: Je nach Erfordernis können sowohl lokale als auch systemische Behandlungsmethoden eingesetzt werden.
Fazit
Die Neuraltherapie verfügt über ein äußerst breites Anwendungsspektrum, das von Segmenten über Ganglien bis hin zu Muskeln und intravasalen Anwendungen reicht. Um jedoch eine wirksame Behandlung zu erzielen, müssen die Anwendungsregionen sorgfältig ausgewählt und jeder Patient einer umfassenden Untersuchung unterzogen werden. Anstelle eines standardisierten Behandlungsprotokolls ist es wichtig, einen individuellen, auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenen Ansatz zu verfolgen.
Dieser individualisierte Ansatz wird die Wirksamkeit der Neuraltherapie sowohl im diagnostischen als auch im therapeutischen Prozess maximieren. Bei korrekter Anwendung der Techniken erweist sich die Neuraltherapie als eine wirksame Methode, die bei zahlreichen Erkrankungen erfolgreiche Ergebnisse liefern kann. Für weitere Informationen können Sie die Werke von Hüseyin Nazlıkul “Nöraltherapie: Eine andere Behandlung ist möglich – Destek Yayınlar” oder “Nöraltherapie – Nobel Kitabevleri” zu Rate ziehen.
Dr. Hüseyin Nazlikul
Präsident von IFMANT und BNR