Die Geschichte der Neuraltherapie in der Welt
Wir leben im Informationszeitalter, aber auch in einem Zeitalter, in dem die Gültigkeitsdauer des Wissens sehr kurz ist. Heute ist der Zugang zu Informationen so einfach geworden – nur einen Knopfdruck entfernt. Doch stellen Sie sich vor, welch langen Weg die Wissenschaft zurücklegen musste, um ihren heutigen Stand zu erreichen... Wir dürfen nicht vergessen, welch langen Weg die Wissenschaft, die Medizin und die Behandlungsmethoden – jede Methode, die wir heute anwenden – zurückgelegt haben. Deshalb sagten die Großen einst: "Ich bin der Sklave dessen, der mich ein Wort gelehrt hat"... Um den Wert des Wissens und den Respekt, den wir unseren Lehrern, unseren Meistern und unseren Ausbildern entgegenbringen müssen, im Gedächtnis zu bewahren, sind CHRONIKEN die wertvollsten Dokumente. Auch wir gedenken mit Respekt allen Lehrern, die einen wissenschaftlichen Beitrag geleistet haben, anlässlich des IV. Internationalen Nöralterapie-Kongresses, der unter der Führung unseres Lehrers Dr. Hüseyin Nazlikul, M.D., PhD., der uns in der Türkei die Neuraltherapie gelehrt hat, von der BNR (Wissenschaftliche Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulation) veranstaltet wurde.
1568 entstand mit Ambroise Parés Kompression von Nervenwurzeln der Gedanke der Lokalanästhesie.
1845 erfand F. Rynd in Dublin die Injektion.
1853 erfand C.G. Parvaz in Frankreich die Injektionsspritze.
1875 versuchten Collins et al. in Paris die Anwendung von Kokain bei der Behandlung von Krebs, Schmerzen und Tuberkulose.
1881 entdeckten S. Freund und C. Koller die lokalanästhetische Wirkung von Kokain auf die Schleimhaut.
1884 sprach Koller über die Wirkung von topischem Kokain und seine therapeutischen Möglichkeiten.
1886 führte J.L. Corning in den USA die spinale und peridurale Anästhesie durch.
1890 führte C. L. Schleich mit einer 0,1%igen Kokainlösung die erste Infiltrationsanästhesie und den ersten chirurgischen Eingriff durch.
1898 führte A. Bier in Berlin die Spinalanästhesie mit Kokain durch.
1902 zeigte G. Spiess, dass Wunden durch regionale Novocain-Infiltration schneller und regelmäßiger heilen.
1903 führte Cathelin die erste kaudale Periduralinjektion mit Kokain durch.
1905 entdeckte Einhorn, Novocain.
1905 veröffentlichte H. Braun, in Zwickau das erste Lehrbuch der Lokalanästhesie.
1914 setzte G. Fischer, Procain erstmals in der Zahnanästhesie ein.
1922 veröffentlichte die Fa. Lucius & Brüning in Frankfurt mit Novocain eine werbeartige Zeitschrift namens „Anästhesie und Therapie“.
1924 veröffentlichte der Histopathologe Prof. Dr. G. Ricker sein Buch “Relationspathologie”. Er stellte wissenschaftlich fest, dass die Grundlage von Krankheiten aus einer Funktionsstörung des vegetativen Systems (VSS) herrührt.
1925 versuchte R. Leriche, die erste Blockade des Ganglion stellatum mit Novocain.
1925 äußerte der deutsche Physiologe Von Hering, dass das neurovegetative System eines der wichtigsten Elemente der zukünftigen Medizin sein werde.
1925 stellte R. Leriche in Strasburg seine Beobachtungen zum Sofortphänomen und zur Neuralmedizin auf einem Kongress vor.
1928 beobachtete F. Huneke in Düsseldorf die unbekannten Fernwirkungen von Lokalanästhetika.
1929 beschrieb M. Kipler die Segmenttherapie und betonte die Bedeutung von Haut und Unterhaut im segmentalen Zusammenhang.
1934 beobachtete und veröffentlichte R. Leriche in Strasburg, dass hartnäckige postoperative Schmerzen durch die Injektion von Lokalanästhetika gelöst und heftige Schmerzen beseitigt wurden.
1940 beschrieben F. und W. Huneke in Düsseldorf das Sekundenphänomen.
1940 prägte K.R. Von Roquas in Berlin erstmals den Begriff und die Definition der Neuraltherapie. Er definierte sie als die Behandlung von durch das Nervensystem verursachten Erkrankungen, insbesondere von Schmerzen, mittels Lokalanästhetika. Diesen Begriff und seine Definition entwickelte er unabhängig von den Gebrüdern Huneke.
1944 veröffentlichte Prof. Kalbfleisch die klinischen Beobachtungen von Rickers Relationspathologie als Buch.
1947 synthetisierte C. Lundquist Lidocain.
1953 stellte J.J. Bonica in New York den Periduralkatheter vor.
1953 verwendeten Travell & Simons in New York den Begriff Trigger Point Manual.
1956 veröffentlichte das Deutsche Ärzteblatt – das Publikationsorgan der Deutschen Ärztekammer – eine Sonderausgabe zum 50. Jahrestag der Entdeckung des Procains.
1963 veröffentlichte P. Dosch in München das Lehrbuch Neuraltherapie.
1963 veröffentlichte Herget in Gießen seine Beobachtungen zur Wirkung von Lokalanästhetika auf den Darm.
1965 beschrieben R. Melzack & Wall in London die Gate-Control-Theorie.
1970 veröffentlichte D. Gross in Frankfurt sein Buch mit dem Titel „Therapeutische Lokalanästhesie“.
1970 beschrieb R. Melzack, das „Pain Manual“.
1972 erhielt Herget aufgrund seiner Arbeiten über die Rolle des Procains bei chronischen Schmerzen und seine Wirksamkeit bei Phantomschmerzen den akademischen Titel eines Professors.
1973 erläuterte Herget die Anwendung von Lokalanästhetika zur wirksamen Behandlung von Triggerpunkten.
1978 beschrieb Herget die Regulierung der Symbiose sowie die Kombination von Injektionen am Ganglion coeliacum, Ganglion impar und sakral zur wirksamen Behandlung chronischer Darmfunktionsstörungen.
1979 erläuterten Herget & Pischinger die Bedeutung von Lokalanästhetika für die Regulation des Bindegewebes.
1984 veröffentlichte A. Pischinger sein Buch „Das System der Grundregulation“.
1995 wurden die Lehrbücher Neuraltherapie von H. Barop und L. Fischer veröffentlicht.
1996 veröffentlichte Heine das umfassendste Buch zum Thema Biologische Medizin – Grundsystem.
1997 veröffentlichte Bergsmann das erste Neuraltherapie-Lehrbuch für Österreich.
1998 veröffentlichte A. Beck das erste Neuraltherapie-Lehrbuch für die Schweiz.
2003 bewiesen S. Herroeder und M.W. Hollmann in Heidelberg den molekularbiologischen Wirkmechanismus von Lokalanästhetika.
2003 veröffentlichte H. Nazlikul erstmals auf Türkisch den Wirkmechanismus der Neuraltherapie im Rahmen des Buches für Akupunktur und Komplementärmedizin.
2004 erschien unter dem Vorsitz von H. Nazlikul die erste türkischsprachige Fachzeitschrift zur Neuraltherapie als Grund- und Komplementärmedizin, BARNAT.
2004 wurde in unserem Land unter dem Vorsitz von H. Nazlikul die Wissenschaftliche Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulation (BNR) gegründet. Dieser Verein bietet die von der Internationalen Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke (IGNH) anerkannten Ausbildungen an und schult türkische Ärzte in diesem Bereich. Die Neuraltherapie, eine Behandlungsmethode, die denjenigen, die nicht als Ärzte in Deutschland tätig waren, unbekannt war, wird türkischen Ärzten von Dr. Hüseyin Nazlikul, M.D., PhD. gemäß dem Curriculum und der Systematik der IGNH-Ausbildung vermittelt.
2010 veröffentlichte H. Nazlikul als weiteren Meilenstein das erste türkischsprachige Neuraltherapie-Lehrbuch.
2019 übersetzten H. Nazlikul und Y. Tamam die Bücher L. Fischers „Neuraltherapie“ und H. Barops „Neuraltherapie Taschenatlas“ und bereicherten damit die türkische Neuraltherapie-Literatur mit wertvollen Werken.
Die IGNH veranstaltet in Deutschland jährlich zwei Kongresse, drei Symposien und zahlreiche Seminare. In der Schweiz und in Österreich werden Fortbildungen in ähnlicher Häufigkeit und Intensität organisiert. In der Schweiz führt der Lehrstuhl für Neuraltherapie an der Medizinischen Fakultät Bern unter der Leitung von Prof. Dr. Lorenz Fischer seine wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Gebiet fort. In Deutschland gibt es an 14 Medizinischen Fakultäten einen Lehrstuhl für Komplementärmedizin, in dem die Neuraltherapie einen wichtigen Platz einnimmt, während an 3 Medizinischen Fakultäten die Neuraltherapie als eigener Lehrstuhl besteht.