Was ist Neuraltherapie?
Die Neuraltherapie ist eine Regulations-, das heißt Ordnungstherapie, die unter Verwendung von Lokalanästhetika durchgeführt wird.
Der menschliche Körper ist ein elektrischer Körper. Unser gesamter Körper ist ein Netzwerk mit einer Länge von bis zu 500.000 km. Erregbare Gewebe zeigen die Eigenschaft, als Reaktion auf jeden beliebigen Reiz die elektrischen Eigenschaften der Zellmembranen zu verändern, ein Aktionspotenzial zu erzeugen und dieses weiterzuleiten. Nerven- und Muskelgewebe sind erregbare Gewebe. An den Zellmembranen wird von zwei Arten von Potenzialen gesprochen, dem Ruhepotenzial und dem Aktionspotenzial. Während das Ruhepotenzial ein Potenzial ist, das entsteht, wenn die Zellen keine Arbeit verrichten und die Ionen innerhalb und außerhalb der Zelle unterschiedlich verteilt sind, ist das Aktionspotenzial eine Reihe von Potenzialänderungen an der Membran, die entstehen, wenn sich während der Aktivität der Zellen bestimmte Ionen in die Zelle hinein und aus ihr heraus bewegen.
Erregbare Gewebe erzeugen das Aktionspotenzial und leiten die durch diese Potenzialänderung entstehende elektrische Aktivität entlang ihrer Membranen weiter. Bei dieser in den Nervenzellen entstehenden elektrischen Aktivität wird lediglich die Leitungsarbeit verrichtet.
Wenn eine Zelle, deren Zellmembraninneres im Ruhezustand negativer ist als das Äußere, durch einen beliebigen Reiz stimuliert wird, verändert sich das Ruhepotenzial der Membran innerhalb von Millisekunden und erreicht einen positiven Wert. Dieser Zustand, bei dem das Membranpotenzial im Inneren positiver wird als außen, wird als Depolarisation bezeichnet. Das Membranpotenzial verbleibt jedoch nicht in diesem Zustand, sondern kehrt innerhalb sehr kurzer Zeit wieder zum ursprünglichen Ruhepotenzial zurück. Die Rückkehr des Membranpotenzials von der Depolarisation zum Ruhepotenzial wird als Repolarisation bezeichnet. Das Aktionspotenzial besteht aus Depolarisation und Repolarisation.
Das Ruhepotenzial einer gesunden Zelle liegt zwischen -40 und -90 mV. Bei einer erkrankten Zelle ist das Ruhepotenzial jedoch niedriger, wodurch keine Erregungsleitung stattfindet. Alle Lokalanästhetika hyperpolarisieren die Zelle mit einer Kraft von -290 mVolt auf das Aktionspotenzial der Zelle und erreichen erneut einen Wert zwischen -40 und -90 mV, also das Potenzial, bei dem eine Erregungsleitung möglich ist; dadurch wird die Zelle wieder funktionsfähig. So verwandelt sich die kranke Zelle in eine gesunde Zelle.
Die Neuraltherapie sorgt für die Stimulation und Regulation des vegetativen (autonomen) Nervensystems, das in unserem Körper eine sehr weitläufige elektrische Netzwerkstruktur bildet. Bei der Neuraltherapie werden durch die Injektion von Lokalanästhetika an bestimmte Stellen drei Kreisläufe im Körper reguliert: der Blutkreislauf, der Lymphkreislauf und die Nervenleitung. Wenn die Durchblutung, also die Perfusion eines Gewebes zunimmt, wird dieses Gewebe versorgt; wenn der Lymphfluss zunimmt, wird das Gewebe von Stoffwechselprodukten befreit, also gereinigt, und ein Gewebe mit zunehmender, regulierter Nervenleitung arbeitet geordneter. Folglich steigt die Selbstheilungsfähigkeit eines versorgten, gereinigten und geordnet gesteuerten Gewebes.
Das Grundprinzip der Neuraltherapie ist die Regulation, also die Ordnung. Ihre Indikationen betreffen daher die Regulation einer vorhandenen Struktur. Ein anatomisches Defizit oder ein genetisches Störungsbild stellen keine Indikationen für die Neuraltherapie dar.
Diese 1940 in Deutschland entdeckte und in Europa weit verbreitete ärztliche Behandlungsmethode (Neuraltherapie) ist nicht nur eine nachhaltige Therapiemethode, sondern zugleich eine Methode der präventiven Medizin. Denn von Krebs bis zu einfachen Schmerzen, von viralen Erkrankungen wie Grippe bis zu Allergien ist die zugrunde liegende Pathologie aller Krankheiten dieselbe. In jedem erkrankten Gewebe oder Körperteil sind Perfusion, lymphatische Drainage und Innervation gestört. Die Neuraltherapie ist durch die Regulation dieser Systeme eine sehr wirksame Methode, die sowohl bei der Bekämpfung von Krankheiten als auch bei der Erhaltung der Gesundheit (in der präventiven Medizin) eingesetzt wird.