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22 Min. Lesezeit

ÖFFENTLICHE ERKLÄRUNG

REGULATIONSMEDIZINISCHER UND NEURALTHERAPEUTISCHER ANSATZ BEI DER POSTTRAUMATISCHEN BELASTUNGSSTÖRUNG (PTBS)

Ömer Soyak1,3, Ferda Firdin2,3, Hüseyin Nazlikul3,4,5

1 Niedergelassener Arzt, Samsun, Türkei

2 Niedergelassener Arzt, Bursa, Türkei

3 Wissenschaftlicher Verein für Neuraltherapie und Regulationsmedizin, Istanbul, Türkei

4 Naturel Sağlık - Zentrum für Naturheilkunde, Istanbul, Türkei

5 International Federation of Medical Associations of Neuraltherapy, Meiringen, Schweiz

In diesem Jahr, in dem wir uns darauf freuen, den 100. Jahrestag unserer Republik zu feiern, die Mustafa Kemal Atatürk und seine Weggefährten mit großer Mühe gegründet haben, und in dem wir als Neuraltherapeuten mit vollem Einsatz die Vorbereitungen für unseren 9. Internationalen Neuraltherapie-Kongress vorantreiben, der vom 2. bis 4. Juni 2023 in Istanbul stattfinden wird, haben wir eine große Erdbebenkatastrophe erlebt - und erleben sie noch immer -, die einen Teil unseres Landes verwüstet hat, bislang zum Tod von über 50.000 Menschen geführt hat und bei der Berichten zufolge weit über 200.000 Menschen unter Trümmern begraben wurden.

Schon aus der Ferne mitzuverfolgen, was in der vom Erdbeben verwüsteten Region unseres Landes geschieht, raubt einem den Atem und erschüttert zutiefst.

Die Stärke der Beben mit Epizentrum in Pazarcık und Elbistan (7,7 und 7,6), das Ausmaß der betroffenen Region, die verursachten Zerstörungen und Verluste, die lange anhaltenden Nachbeben, die verzögerten Rettungsarbeiten sowie Probleme wie die Unterbringung der Erdbebenopfer haben die Auswirkungen dieser Katastrophe weit über die früherer Katastrophen hinausgehen lassen …

Die posttraumatische Belastungsstörung bezeichnet den Zustand, in dem eine Person nach einem erlebten Trauma über längere Zeit unter Stress, Angst, Furcht, Trauer und weiteren Symptomen leidet. Die PTBS nach einem Erdbeben ist ein Zustand, der bei vielen vom Erdbeben betroffenen Menschen auftreten kann.

Als Menschen sind wir eine außerordentlich widerstandsfähige Spezies. Seit unserem Bestehen können wir uns von erbarmungslosen Kriegen, zahllosen Katastrophen (natürlichen wie von Menschen verursachten) sowie von Gewalt und Verrat im eigenen Leben erholen und wieder aufrichten. Doch diese traumatischen Erfahrungen hinterlassen in unserer Geschichte und Kultur - ob groß oder klein - über Generationen weitergegebene Spuren. Diese Spuren verursachen in unserem strukturellen Körper (unserer Biologie und unserem Immunsystem) sowie in unserem energetischen Körper (unserem Geist, unseren Gefühlen und unserem seelischen System) tiefgreifende, oft unbemerkte Auswirkungen. Diese Traumata betreffen nicht nur die Person, die das Trauma erlebt hat, sondern auch alle Menschen in ihrem sozialen Umfeld.

Physische und psychische Gewalt, Katastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen oder Krieg, der Verlust eines geliebten Menschen und ähnliche Ereignisse können bei einer Person traumabedingte seelische Probleme verursachen. Dieses Problem wird als Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) bezeichnet. Im Voraus bestimmen zu können, welche psychologischen und physiologischen Reaktionen nach einem Trauma normal sind und welche eine Erkrankung darstellen, wer sich von selbst erholen wird und wer langfristig erkrankt bleibt, ist sowohl für die betroffene Person und ihre Familie als auch für die Gesellschaft von großer Bedeutung. Dass die Zahl der Menschen, die insbesondere von Naturkatastrophen wie Erdbeben und von menschengemachten traumatischen Erlebnissen wie Krieg betroffen sind, in die Millionen geht, zeigt, dass es sich hierbei um ein ernstzunehmendes Problem der öffentlichen Gesundheit handelt.

Was sind die wichtigsten Symptome der PTBS? 

  • Zu den Symptomen zählt vor allem das wiederholte Erinnern an das Ereignis. 
  • Es kann zu Rückzug aus dem Umfeld und Introvertiertheit kommen. 
  • Das Interesse der Person an der Außenwelt geht verloren. 
  • Der Moment des Traumas kann so empfunden werden, als würde er gerade jetzt erneut geschehen. 
  • Auch die Vermeidung von Orten, Personen und Gesprächen, die an das traumatische Ereignis erinnern, gehört zu den wichtigsten Symptomen. 
  • Die Person kann in einem Gefühl des Entsetzens leben. 
  • Schlafstörungen, Zusammenzucken bei Geräuschen, schnelle Reizbarkeit und emotionale Abstumpfung gehören ebenfalls zu den beobachteten Symptomen. 

Nach einer erlebten Katastrophe erholen sich etwa 10-15 % der Betroffenen bereits sehr kurze Zeit nach dem Ereignis. Etwa 70 % hingegen sind von dem Ereignis betroffen und zeigen „Stressreaktionen“. Für diese Gruppe ist jede Art von Unterstützung, insbesondere psychosoziale Unterstützungsmaßnahmen, von großer Bedeutung. Ob die „Stressreaktionen“ der Betroffenen von kurzer oder langer Dauer sind, steht in direktem Zusammenhang mit der ihnen gewährten Unterstützung. Die verbleibenden 10-15 % sind langfristig von den traumatischen Ereignissen betroffen.

Die Rehabilitation der Folgen dieses Erdbebens kann nur durch eine geplante Vorgehensweise über die kommenden 10 Jahre gelindert werden. Dafür ist es notwendig, im Rahmen eines Plans mit der richtigen Qualität voranzuschreiten. Die Lösung zeigt, dass es notwendig ist, statt vorschnell mit dem Bau von Gebäuden zu beginnen, zunächst eine geplante Vorbereitung vorzunehmen. Wie die Kinder dieses Trauma überwinden und wie ihre Bildung gestaltet werden soll, darf sich nicht allein auf die Grundversorgung beschränken.

Die nach dem Erdbeben erlebte Angst und Furcht ist besonders für Kinder sehr belastend. Manche Kinder können in Verhaltensweisen zurückfallen, die im Kleinkindalter normal sind, wie Daumenlutschen oder Einnässen. Sie können Albträume haben und Angst davor haben, allein zu schlafen. Ihre schulischen Leistungen können beeinträchtigt werden. Außerdem können sie häufiger Wutausbrüche zeigen oder sich zurückziehen und allein sein wollen.

Das Erdbeben hat und wird auf die Menschen, die es erlebt haben, sehr große und langfristige Auswirkungen haben. Es ist von großer Bedeutung, dass verschiedene Fachrichtungen gemeinsam handeln und patientenorientierte Rehabilitationsleistungen erbringen, um in erster Linie die medizinischen und psychologischen Probleme der Menschen zu lösen, die in der Erdbebenregion diese Traumata erlebt haben. Eine korrekte Planung und eine unter der Führung kompetenter Fachleute erfolgende Koordination sind dabei unerlässlich …

Der Zustand, den wir - allen voran in der Erdbebenregion, aber auch als gesamte Gesellschaft - durchleben, ist die Posttraumatische Belastungsstörung. Sie kann bei Menschen jeden Alters auftreten. Insbesondere bei Personen, die in ihren Familien große Verluste erlitten haben, die lange Zeit unter Trümmern lagen, die sich um deren Bergung bemüht haben, sowie bei allen, die nicht geborgen werden konnten, kann diese Störung entstehen.

Die nach einem Trauma gezeigten Reaktionen lassen sich in vier Hauptkategorien zusammenfassen:

1. Körperliche Reaktionen:

Die genannten normalen Stressreaktionen entstehen in unserem Körper auf Grundlage des sympathischen und parasympathischen Nervensystems. Das sympathische Nervensystem wird in dem Moment aktiv, in dem eine Gefahr wahrgenommen wird. Es sorgt dafür, dass die notwendigen Veränderungen eintreten, damit sich der Körper darauf vorbereitet, vor der Gefahr zu fliehen oder gegen sie zu kämpfen. Zu seinen Aktivitäten zählen beschleunigter Herzschlag und beschleunigte Atmung, Schwitzen, verstärkte Aktivität des Verdauungssystems, Muskelverspannungen, Erschöpfung und Einschlafschwierigkeiten. Hinzu kommen Schmerzen an verschiedenen Körperstellen, Veränderungen des Appetits, Übelkeit und Veränderungen des sexuellen Verlangens. Sobald die Gefahr vorüber ist, wird das parasympathische Nervensystem aktiv. Es sorgt dafür, dass die vom sympathischen System im Körper hervorgerufenen Veränderungen zurückgebildet werden und die Körperaktivitäten sich wieder normalisieren.

All diese Veränderungen sind natürlich vorprogrammiert und dieser Zustand ist normal. Er ist sogar notwendig, um zu überleben. In manchen Fällen jedoch muss das sympathische Nervensystem so intensiv und so lange arbeiten, dass es dem parasympathischen Nervensystem schwerfällt, aktiv zu werden und den Prozess umzukehren. An diesem Punkt treten bestimmte, auf das psychologische Trauma zurückzuführende Probleme auf. Nach dem Ansatz des Allgemeinen Adaptationssyndroms tritt der Körper bei Konfrontation mit einem stressauslösenden Ereignis zunächst in einen Alarmzustand ein, in dem sich Aufmerksamkeit und alle Sinne schärfen. Anschließend beginnt der Körper in der Widerstandsphase, die Auswirkungen des Ereignisses zu verringern und gegen die stressauslösende Situation anzukämpfen. Wenn die in dieser Phase unternommenen Maßnahmen nicht wirken, kommt es im Körper zu einem Erschöpfungszustand, der zu Gewebeschädigung und sogar zum Tod führen kann. Mit anderen Worten: Bei anhaltend starkem Stress wird neben den häufig beobachteten psychologischen Reaktionen auch der Körper geschädigt.

2. Emotionale Reaktionen:

Die als Folge von Stress im Angesicht eines traumatischen Ereignisses auftretenden emotionalen Reaktionen sind normal, wenn sie in den ersten zwei Wochen beobachtet werden. Traumatisierte Menschen können Gefühle wie Schock, Angst, Trauer, Wut, Schuld, Scham, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und emotionale Taubheit intensiv erleben. Wenn diese Gefühle nach den ersten 1-2 Wochen in ihrer Ausprägung und Intensität fortbestehen, deutet dies auf ein mögliches psychologisches Problem hin.

3. Kognitive Reaktionen:

Die kognitiven Reaktionen auf Stress stehen in Zusammenhang mit den emotionalen Reaktionen. Sie können sowohl durch das Ereignis selbst als auch durch die gezeigten körperlichen und emotionalen Reaktionen entstehen. Diese Reaktionen lassen sich zusammenfassen als Verwirrung, Zerstreutheit, Schwierigkeiten bei der örtlichen und/oder zeitlichen Orientierung, Gedächtnisprobleme und geistige Verwirrtheit.

4. Zwischenmenschliche Reaktionen:

Bei extremem Stress lassen sich auch bestimmte Symptome in Freundschafts-, Partnerschafts- und Elternbeziehungen zu Hause, in der Schule und/oder am Arbeitsplatz beobachten. Diesen in Beziehungen beobachtbaren Veränderungen folgen Misstrauen, Unruhe, eine zunehmende Neigung zu Konflikten, Rückzug, das Bedürfnis nach Alleinsein und das Gefühl, abgelehnt zu werden. Als weitere Beispiele lassen sich Distanzierung, eine zunehmende Neigung zu Vorurteilen und ein gesteigertes Kontrollbedürfnis anführen.

Wie bei der jüngsten Erdbebenkatastrophe, die wir erlebt haben, ist das Erlebte unerträglich und unaushaltbar. Je nach unseren früheren Erfahrungen, unserem Umfeld und dem Ausmaß der erhaltenen Unterstützung haben wir dies alle in unterschiedlichem Maße erlebt und erleben es weiterhin. Patienten mit PTBS versuchen jedoch einerseits, das erlebte Trauma aus ihren Gedanken zu verdrängen, während sie sich andererseits verzweifelt bemühen, zur Normalität zurückzukehren.  

Patienten mit PTBS möchten alles vergessen. Doch unser limbisches System, das den Überlebensmodus steuert, erweist sich hierbei als unzureichend, und schon beim geringsten Stress kommt es zu einer unangemessenen sympathischen Aktivierung (Kampf/Flucht/Erstarrung). Infolge der dabei massiv ausgeschütteten Stresshormone treten übermäßige und unangemessene Gefühle und körperliche Empfindungen sowie impulsives und aggressives Verhalten auf. Die Betroffenen haben das Gefühl, die Kontrolle verloren zu haben und derart geschädigt zu sein, dass sie nicht mehr in einen normalen Zustand zurückkehren können.  

Die wichtigste biochemische Veränderung bei PTBS-Patienten sind erhöhte Kortisolspiegel. Im Moment des Traumas kommt es im Überlebensmodus zu einer intensiven Ausschüttung, die jedoch, anstatt sich rasch zu normalisieren, dauerhaft erhöht bleibt. Dies hält den Patienten fortwährend im Überlebensmodus. Dieser Zustand führt zu einer Störung der neuronalen Verbindungen zwischen frontalem Kortex (Stirnhirn), Amygdala, Hypothalamus und limbischem System. Dadurch verlagert sich die Steuerung vom bewussten Gehirn (präfrontaler Kortex) auf das unbewusste Gehirn (subkortikal), und das Gehirn verbleibt trotz der seit dem Trauma vergangenen langen Zeit dauerhaft in Alarmbereitschaft. Im Ergebnis wechselt das Gehirn - anders als das bewusste Gehirn, das zwischen komplexen Optionen wählen kann - in einen unbewussten Modus, der grob auf Ähnlichkeiten basierende Reaktionen zeigt. Zwischen diesen beiden Gehirnsystemen besteht ein fortwährender Konflikt.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus bildgebenden Untersuchungen des Nervensystems bei PTBS-Patienten ist, dass die linke Gehirnhälfte im Moment des Traumas inaktiv ist. Dieser Befund erklärt viele unangemessene emotionale Reaktionen und Verhaltensstörungen, etwa warum wir bei einem an das Trauma erinnernden Reiz stumm und bewegungslos verharren.

Nach dem Trauma wird die Welt mit einem veränderten Nervensystem wahrgenommen. Die Energie des Überlebenden konzentriert sich fortan darauf, dieses Chaos zu unterdrücken - auf Kosten der Teilnahme am Fluss des Lebens. Der Versuch, trotz unerträglicher seelischer und körperlicher Reaktionen zur Normalität zurückzukehren, kann in einer breiten Palette von Erkrankungen münden, darunter Fibromyalgie, chronisches Erschöpfungssyndrom, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sowie Autoimmunerkrankungen. Dies zeigt, wie wichtig ganzheitliche Behandlungsansätze bei der Therapie dieser Erkrankungen sind.

Auch wenn die PTBS in erster Linie in den Fachbereich der Psychiatrie fällt, kommt uns Neuraltherapeuten dabei eine große Aufgabe zu, da der entstehende Zustand zugleich zu einem Ungleichgewicht zwischen sympathischem und parasympathischem Nervensystem führt und viele Symptome auf dieses Ungleichgewicht zurückzuführen sind. Die Neuraltherapie ist eine international anerkannte, sehr bedeutsame, nebenwirkungsarme und wirksame Behandlungsmethode zur Wiederherstellung des genannten Gleichgewichts zwischen sympathischem und parasympathischem Nervensystem mittels Lokalanästhetika. Eine korrekte Diagnosestellung durch einen auf Neuraltherapie spezialisierten Arzt und die anschließende Wahl der richtigen Behandlung sind für die Heilung der PTBS und dafür, dass keine bleibenden Schäden zurückbleiben, von größter Bedeutung.

In diesem Zusammenhang bringt die Konsultation von Ärzten, die eine international anerkannte und von der IFMANT akzeptierte Ausbildung absolviert haben, den größtmöglichen Nutzen.

https://www.noralterapi.com/207/egitmen-kadromuz

 

 

                                        

DAS ERDBEBEN UND DIE DAMIT VERBUNDENE POSTTRAUMATISCHE BELASTUNGSSTÖRUNG (PTBS) - EIN REGULATIONSMEDIZINISCHER UND NEURALTHERAPEUTISCHER ANSATZ

Das Erdbeben vom 6. Februar 2023 in der Türkei und der regulationsmedizinische und neuraltherapeutische Ansatz zur damit verbundenen Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)

Neslihan Özkan1,3, Demet Erdoğan2,3, Hüseyin Nazlikul3,4,5

1 Niedergelassener Arzt, Bursa, Türkei

2 Niedergelassener Arzt, Istanbul, Türkei

3 Wissenschaftlicher Verein für Neuraltherapie und Regulationsmedizin, Istanbul, Türkei

4 Naturel Sağlık - Zentrum für Naturheilkunde, Istanbul, Türkei

5 International Federation of Medical Associations of Neuraltherapy, Meiringen, Schweiz

Die Türkei gehört weltweit zu den Ländern mit hohem Erdbebenrisiko. Die jüngsten Erdbeben in unserem Land, insbesondere die großen Erdbeben mit Epizentrum in Kahramanmaraş, Pazarcık und Elbistan, haben dazu geführt, dass viele Menschen ihr Leben verloren haben und viele Menschen unter psychologischen Problemen wie der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden.

Die posttraumatische Belastungsstörung bezeichnet den Zustand, in dem eine Person nach einem erlebten Trauma über längere Zeit unter Stress, Angst, Furcht, Trauer und weiteren Symptomen leidet. Die PTBS nach einem Erdbeben ist ein Zustand, der bei vielen vom Erdbeben betroffenen Menschen auftreten kann.

Die Symptome der PTBS nach einem Erdbeben können sich bei den Betroffenen unterschiedlich zeigen. Manche Menschen erleben Angst, Wut, Trauer und Depression im Zusammenhang mit der Notsituation. Andere wiederum erleben den Schock des Ereignisses und vermeiden es, sich an traumatische Erfahrungen wie das erneute Durchleben des Ereignisses zu erinnern, während sie unter Angst, Konzentrationsstörungen und Schlafproblemen leiden.

Als Trauma bezeichnet man den Zustand, in dem eine Person Ereignisse erlebt und/oder miterlebt, die eine Bedrohung für die körperliche Unversehrtheit von ihr selbst oder anderen darstellen, wie Tod, schwere Verletzung oder sexuelle Gewalt. Situationen, die in einer Intensität und Schwere erlebt werden, die weit über die Bewältigungsfähigkeit der Person hinausgeht, die ihre Grenzen überschreiten und Angst und Hilflosigkeit hervorrufen, gelten als psychologisches Trauma. Viele Menschen begegnen im Laufe ihres Lebens wiederholt zahlreichen Ereignissen, die Gefühle wie Angst, Trauer, Anspannung, Sorge, Hilflosigkeit oder Wut auslösen. Nur ein sehr geringer Teil davon weist jedoch tatsächlich Traumacharakter auf.

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine Störung, die nach einem schweren psychologischen Trauma auftritt und sich durch charakteristische Symptome wie das wiederholte Wiedererleben des traumatischen Ereignisses, die Vermeidung von an das Ereignis erinnernden Reizen, gesteigerte Erregung, Unfähigkeit zur Zukunftsplanung, Schlaflosigkeit, Albträume und Entfremdung äußert. Dauern diese Symptome weniger als drei Monate an, spricht man von akuter PTBS, bei längerer Dauer von chronischer PTBS. Manchmal treten die Symptome erst nach einer langen Zeitspanne von etwa 6 Monaten nach dem traumatischen Ereignis auf. Dieser Zustand wird als „PTBS mit verzögertem Beginn“ bezeichnet.

Die Art und Schwere des Traumas, zuvor erlebte traumatische Ereignisse, die Bedeutung, die die Person dem Trauma beimisst, sowie die Lebensumstände der Person nach dem Trauma gelten als entscheidende Faktoren für die Entstehung einer PTBS. So können beispielsweise das Erleben von Kriegssituationen, körperlicher Missbrauch in der Kindheit, verschiedene Ereignisse physischer und sexueller Gewalt einschließlich Folter, Auto-, Zug- oder Flugzeugunfälle, Naturkatastrophen wie Erdbeben und Überschwemmungen, Brände, Überfälle, Entführungen, lebensbedrohliche medizinische Diagnosen sowie Terroranschläge und viele weitere lebensbedrohliche traumatische Ereignisse eine PTBS auslösen.

Menschen mit PTBS befinden sich in der Regel in einem Zustand von Angst und Unruhe. Sie reagieren überempfindlich auf Reize und zeigen daher schon bei den kleinsten Reizen eine Reaktion. Es können jedoch auch Zustände wie Gleichgültigkeit gegenüber der Umgebung, fehlende Reaktion, Unfähigkeit zur Freude, verminderte Emotionalität, Hilflosigkeit, schnelle Reizbarkeit und Wutausbrüche beobachtet werden. Zur Diagnosestellung, Bewertung der Symptome und Überwachung der Behandlungswirksamkeit kann die Clinician-Administered PTSD Scale (CAPS) verwendet werden.

Die PTBS wirkt sich negativ auf das gesamte Leben, die Arbeit, die Beziehungen, die Gesundheit und die alltäglichen Aktivitäten der Betroffenen aus. Bei diesen Personen ist bekannt, dass auch das Risiko für verschiedene Gesundheitsprobleme steigt, darunter Depression, Angststörungen, Suchtprobleme - allen voran Substanz- und Alkoholabhängigkeit -, Essstörungen, Schlafstörungen und suizidale Gedanken. Aus diesem Grund ist eine frühzeitige und wirksame Behandlung von größter Bedeutung.  

Bei dem Erdbeben, das sich am 12. Mai 2008 in der chinesischen Provinz Sichuan mit einer Stärke von 8,0 auf der Richterskala und einer maximalen Intensität von 11,0 im Epizentrum ereignete, kamen laut offiziellen Angaben 69.227 Menschen ums Leben, 374.643 Menschen wurden verletzt, 17.923 Menschen wurden als vermisst gemeldet und rund 4,8 Millionen Menschen wurden obdachlos. Einer systematischen 10-Jahres-Übersichtsarbeit nach dem Erdbeben zufolge lag die geschätzte Prävalenz der PTBS einen Monat nach dem Wenchuan-Erdbeben bei 62,8 %, ein Jahr danach zwischen 21,5 % und 41,0 % und acht Jahre danach bei 11,8 %.

Eine weitere Metaanalyse mit 76.101 Erdbebenopfern zeigt, dass bei etwa einem Viertel der Betroffenen eine PTBS diagnostiziert wurde. Dies ist somit ein bemerkenswerter Beleg dafür, dass Naturkatastrophen wie Erdbeben erhebliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Überlebenden haben können.

Eine unzureichende psychologische Unterstützung in den betroffenen Regionen erhöht das PTBS-Risiko unter den Überlebenden erheblich. Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche, insbesondere Mädchen, verletzlicher sind und vorrangig Hilfe erhalten sollten. Die Prävalenz der PTBS variiert zwischen den Studien je nach deren methodischen Merkmalen und wird weltweit auf etwa 3,9 % geschätzt. Bei Frauen ist sie doppelt so hoch wie bei Männern (10-12 % gegenüber 5 %).

Nach den beiden am 6. Februar 2023 aufeinanderfolgenden verheerenden Erdbeben mit einer Stärke von 7,7 und 7,6 auf der Richterskala, die 11 Provinzen unseres Landes betrafen, haben wir leider viele unserer Mitbürger auf tragische Weise verloren. Ebenso viele unserer Mitbürger sahen sich sowohl körperlich als auch psychisch mit einem schweren Trauma konfrontiert, weil sie selbst oder ihre Angehörigen lange Zeit unter Trümmern lagen. Nicht nur diejenigen, die dieses Erdbeben tatsächlich vor Ort erlebten, sondern auch jene, die die durch diese große Katastrophe verursachte Zerstörung und das dadurch entstandene Leid im Fernsehen oder in den sozialen Medien mitverfolgten und so Zeugen des Geschehens wurden, waren erheblich betroffen, das heißt, sie waren dem Trauma ausgesetzt. Daher haben wir alle Gefühle wie Hilflosigkeit, Trauer, Wut, Angst und Furcht in höchstem Maße empfunden und empfinden sie noch immer. Aus diesem Grund sahen sich leider viele Menschen mit verschiedenen Beschwerden, einschließlich PTBS, konfrontiert. Zudem ist es eine Tatsache, dass wir als Land sowohl in wirtschaftlicher als auch in sozialer und medizinischer Hinsicht eine lange Phase der Rehabilitation benötigen.  

Die Behandlung der vom Erdbeben Betroffenen sollte durch professionelle Fachkräfte auf diesem Gebiet erfolgen. Bei Personen mit PTBS ist es von größter Bedeutung, ihnen zunächst zu vermitteln, dass ihre Reaktionen normal sind, dass sich das Ereignis außerhalb ihrer Kontrolle abgespielt hat, dass jeder Mensch davon betroffen sein könnte und dass sie sich daher nicht bemühen müssen, stark zu wirken. Zudem müssen sie sich selbst erlauben, ihre Trauer zu durchleben. Es wäre auch hilfreich, sie darin zu unterstützen, den Kontakt zu Menschen, die sie verstehen und unterstützen, nicht abbrechen zu lassen und ihre Gefühle mit ihnen zu teilen. Andererseits sollte es zu den vorrangigen Zielen gehören, für Personen ohne schwere körperliche Behinderung möglichst rasch eine Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeit zu schaffen.

Das Konzept, das die schützenden Fähigkeiten oder Verhaltensweisen einer Person gegenüber seelischen Störungen und Traumata beschreibt, wird als psychologische Widerstandsfähigkeit (Resilienz, PD) bezeichnet. Dieser Begriff wird allgemein auch als „die Fähigkeit einer Person, sich selbst wieder aufzurichten“, „Katastrophen bewältigen zu können“ oder „die Fähigkeit zur positiven Anpassung“ definiert. Psychologische Widerstandsfähigkeit (PD) ist bei manchen Menschen angeboren oder erworben vorhanden. Bei anderen Menschen ist diese Fähigkeit hingegen schwach ausgeprägt, doch Studien zeigen, dass Resilienz erlernt, erworben, weiterentwickelt und sogar behandelt werden kann.

Die Behandlung der PTBS erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Aus Sicht der westlichen Medizin werden in der Behandlung vor allem Antidepressiva sowie weitere Medikamente und psychologische Behandlungen intensiv eingesetzt. Andererseits ist es mithilfe der Regulationsmedizin und der Neuraltherapie möglich, den Patienten umfassendere, wirksamere und nachhaltigere Lösungen anzubieten. Insbesondere zur Behandlung der körperlichen und psychologischen Gesundheitsprobleme unserer Mitbürger, die das Erdbeben überlebt haben, ist es von größter Bedeutung und Notwendigkeit, in Wirksamkeit und Zuverlässigkeit bewährte Behandlungsmethoden umgehend einzusetzen. Daher kommt uns als Ärzten der Neuraltherapie und Regulationsmedizin eine sehr wichtige Aufgabe zu.  

Wir wissen, dass das von den Erdbebenopfern erlebte Trauma zunächst im Rahmen des Grundregulationssystems negative Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem (VNS), das Hormonsystem und das Immunsystem hat. Das Grundregulationssystem unseres Körpers reagiert auf alle Reize - einschließlich psychogener Belastungen - stets mit autonomen, hormonellen und zellulären Veränderungen. Je nach Person unterschiedlich kann das System eine gewisse Menge an Stress kompensieren. Die intensiven, anhaltenden emotionalen Belastungen, denen die Erdbebenopfer ausgesetzt waren und weiterhin sind, können das Grundregulationssystem jedoch dekompensieren lassen. Dadurch wird ein Anstieg des Tonus im VNS, insbesondere im sympathischen System, deutlich erkennbar. In diesem Zustand reagiert der Organismus auf jeden weiteren, noch so kleinen Reiz übermäßig stark. Das Grundregulationssystem steht über das VNS zugleich in Verbindung mit dem Hormonsystem. Daher wird bei den Patienten eine Dysregulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) unvermeidlich, sodass verschiedene Anzeichen einer hormonellen Dysfunktion auftreten können. Die Stressbelastung hat zudem eine direkte negative Auswirkung auf die zelluläre, also die immunologische Ebene, wodurch der Körper anfälliger für verschiedene Erkrankungen wird. Auch das Immunsystem steht also über das Grundregulationssystem mit dem VNS in Verbindung. Zudem darf nicht vergessen werden, dass traumabezogene Prozesse über das sympathische Nervensystem und das Hormonsystem registriert werden.    

Nach einer derart großen Naturkatastrophe, mit der unser Land konfrontiert war, wird bei den Überlebenden, ja sogar bei vielen Menschen, die weit entfernt sind und die Nachrichten täglich über die Medien verfolgen, die Entwicklung einer PTBS erwartet. Die HPA-Achse und die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (HPG-Achse), die beide eine wichtige Rolle bei der Stressreaktion spielen, stehen in engem Zusammenhang miteinander. Die Unterdrückung von Östrogen, einem Hormon der HPG-Achse, verursacht Menstruationsstörungen und viele damit verbundene Beschwerden, während die Unterdrückung von Testosteron, das eine anxiolytische Wirkung hat, zu einer Zunahme von Angstzuständen führt. Obwohl zahlreiche bisherige Studien zeigen, dass Frauen anfälliger für Stress sind, gibt es auch neue Erkenntnisse, die das Gegenteil nahelegen - nämlich dass Frauen widerstandsfähiger gegenüber Stress sein könnten und Männer eher dazu neigen könnten, eine angstähnliche Reaktion zu entwickeln.

In einer Studie wurde gezeigt, dass die Gesamtwerte von totalem Trijodthyronin (TT3) und freiem T3 (fT3) bei Patienten mit PTBS-Diagnose im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe höher waren. Es wurde festgestellt, dass die Symptome der Übererregung bei PTBS-Patienten möglicherweise sowohl mit einer verstärkten Aktivierung des sympathischen Nervensystems als auch mit erhöhten Schilddrüsenhormonspiegeln in Zusammenhang stehen. 

Das intensive und lang anhaltende Erleben der verschiedenen Gefühle, die Menschen zu einer PTBS führen, kann verschiedene Funktionsstörungen innerer Organe verursachen. Es wäre daher wenig überraschend, wenn insbesondere Gefühle wie Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Wut und Angst sich in Form verschiedener Funktionsstörungen zeigen, die vor allem mit Gallenblase, Leber und Niere in Verbindung stehen. Zudem darf die Auswirkung eines langen Verweilens unter Trümmern bei Hunger und Durst nicht außer Acht gelassen werden. Aus diesem Grund ist eine segmentale Beurteilung des Hormonsystems und aller inneren Organe von großem Wert.

Neben der PTBS zählen auch verschiedene Erkrankungen des Bewegungsapparats - allen voran Extremitätenamputationen infolge von Crush-Verletzungen, Frakturen und Kälteexposition -, Durchblutungsstörungen, periphere Nervenverletzungen sowie die dadurch verursachten Schmerzzustände und Funktionsverluste zu den wichtigen Gesundheitsproblemen. Es darf nicht vergessen werden, dass all diese Pathologien den Boden für die Entstehung eines Störfelds und/oder Herdes bereiten können.  

Menschen mit PTBS nach einem Erdbeben können diesen Zustand überwinden, indem sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, insbesondere von Neuraltherapeuten. Diese Hilfe kann vor allem Neuraltherapie, aber auch andere Therapieformen, psychologische Unterstützung, Medikamente oder weitere Behandlungen umfassen. Auch Vorbereitungen vor einem Erdbeben können das PTBS-Risiko verringern. Diese Vorbereitungen können einfache Maßnahmen umfassen, wie das Zusammenstellen einer Notfalltasche, das Erstellen eines Plans und Kommunikationspläne für Familien.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Erdbeben in der Türkei bei vielen Menschen zu psychologischen Problemen wie PTBS geführt haben. Es ist jedoch möglich, dieser Situation mit kompetenten Fachkräften - und insbesondere durch die Übernahme von Aufgaben und Verantwortung durch uns Neuraltherapeuten - zu begegnen, und durch Maßnahmen wie professionelle Hilfe und Vorbereitung können die Auswirkungen der PTBS nach einem Erdbeben verringert werden.

Im Lichte dieser Informationen gibt es im Rahmen des neuraltherapeutischen Ansatzes körperschützende und heilende Anwendungen für PTBS und andere Gesundheitsprobleme. Um eine wirksame Behandlung durchzuführen, müssen nach einer umfassenden Anamnese und körperlichen Untersuchung folgende Fragen beantwortet werden:

a) Liegt beim Patienten eine vegetative Dysfunktion (Dysautonomie) vor?

b) Auf welchen segmentalen Ebenen liegt die Dysfunktion vor?

c) Liegt eine hormonelle Dysfunktion vor?

d) Welche inneren Organe könnten betroffen sein, und welche emotionale Verbindung und Bedeutung haben diese?

e) Gibt es ein „Störfeld“, das das Ansprechen auf die Behandlung oder die Heilung behindert?

Nach dieser ausführlichen Anamnese-Befragung und den Untersuchungsbefunden ergeben sich folgende Eckpunkte der durchzuführenden Behandlung:

1- Lokale und segmentale Behandlung

a) Auffinden und Behandeln der betroffenen Segmente (Quaddeln, Facetteninjektion usw.)

b) Behandlung myofaszialer Triggerpunkte (einschließlich zervikaler, thorakaler, lumbosakraler Region und Beckenbodenmuskulatur)

c) Injektionen entlang der Hormonachse (Schilddrüse, Tonsilla pharyngea, Plexus uterovaginalis/Plexus vesicalis, Quaddelserien im Genitalbereich)

d) Durchblutungsprotokoll der unteren Extremität

2- Erweiterte Segment-(Ganglion-)Injektionen (insbesondere Ganglion cervicale supremum, Ganglion stellatum, Ganglion coeliacum, Sakralkanal)

3- Herd- und/oder Störfeldbehandlung

Wissenschaftlicher Verein für Neuraltherapie und Regulationsmedizin (BNR)

Quellen:

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