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Wie schnell wirkt die Neuraltherapie? – Eine funktionelle Betrachtung zum Verständnis

12. Januar 2025 · 9 Min. Lesezeit

Die Wirkung der Neuraltherapie wird durch die Injektion des Medikaments in die Zielgewebe erzielt. Auf diese Weise wird das sympathische Nervensystem erreicht, das im gesamten Organismus verteilt ist und für die schnelle Informationsübertragung von großer Bedeutung ist. Nach der Anwendung tritt die therapeutische Wirkung sofort oder spätestens innerhalb von 72 Stunden ein.

Bereits allein durch das Einstechen der Nadel in die Haut – ohne Medikament – lösen neuraltherapeutische Techniken zunächst sowohl im sensiblen als auch im sympathischen Nervensystem afferente (eingehende) und efferente (ausgehende) Reaktionen aus. Diese Reaktion hat den Charakter eines akupunkturähnlichen Reizes, ist jedoch unspezifisch. Einerseits erzeugen diese Reize segmentale Reflexwirkungen und aktivieren so das sympathische System auf indirektem Weg für die Therapie, andererseits wird durch die Anwendung von Lokalanästhetika die sympathische Erregungsleitung unterbrochen, mit dem Ziel, die sympathischen Funktionen direkt zu normalisieren.

Die Anwendung von Lokalanästhetika ist besonders im Hinblick auf die Beseitigung von Störfeldern von entscheidender Bedeutung. Die nach der Anästhesie eintretende Unterbrechung der Reizleitung führt zu länger anhaltenden therapeutischen Effekten, die auf der Normalisierung der sympathischen Funktionen beruhen. Durch reines Einstechen der Nadel (zum Beispiel bei der Akupunktur) oder durch zusätzlich verabreichte Analgetika werden über segmentale Reflexe Inhibitionsneurone aktiviert. Dies beeinflusst jedoch nur die Probleme im betreffenden Segment; liegt die eigentliche Störung außerhalb des Segments, können solche Anwendungen die Ursache des Hauptproblems nicht direkt erreichen.

Die Neuraltherapie ist ein Behandlungsverfahren, das mit Lokalanästhetika wie 0,5–1%igem Procain oder 0,5%igem Lidocain durchgeführt wird. Diese Anwendung ermöglicht sowohl die Erregung als auch die Hemmung der sympathischen afferenten und efferenten Fasern, wodurch die Gewebedurchblutung normalisiert wird.

Durch die Korrektur des vasomotorischen Systems wird eine Normalisierung in den interstitiellen Räumen sowie in den damit verbundenen Organen, Muskeln, Gelenken und im somatischen Nervensystem erreicht. Zu den positiven Wirkungen der Behandlung gehört auch die Schmerzfreiheit des Patienten.

Die Verbindung des vegetativen Nervensystems mit dem Hirnstamm und dem limbischen System spielt eine grundlegende Rolle bei der Behandlung komplexer Krankheitsbilder wie metabolischer Syndrome und psychiatrischer Erkrankungen. In diesem Zusammenhang bietet die Neuraltherapie einen unterscheidenden Ansatz innerhalb der klassischen medizinischen Praxis und leistet durch die eingehende Untersuchung der vielfältigen Funktionen dieses Systems einen einzigartigen Beitrag.

Die Wirkungen von Lokalanästhetika bestätigen im Licht internationaler wissenschaftlicher Studien die Eigenschaften, die in der Vergangenheit durch chirurgische Beobachtungen festgestellt wurden. Lokalanästhetika zeigen neben ihrer analgetischen Wirkung auf das schmerzleitende Nervensystem über das vegetative Nervensystem auch antiphlogistische, antiallergische, immunmodulatorische und sogar antitumorale Effekte. Darüber hinaus verbessern sie die Mikrozirkulation und leisten dadurch einen wichtigen Beitrag zu den Regenerationsprozessen. Diese Eigenschaften wurden durch experimentelle Studien belegt und haben im medizinischen Bereich allgemeine Anerkennung gefunden.

Die Begriffe Therapeutische Lokalanästhesie und Neuraltherapie sind synonym, wobei sich im Laufe der Zeit der zweite Begriff stärker durchgesetzt hat. Während der Ausdruck Therapeutische Lokalanästhesie das verwendete Medikament betont, lenkt der Begriff Neuraltherapie die Aufmerksamkeit stärker auf die Funktionen des vegetativen Systems und die damit verbundenen Vorteile.

Die Neuraltherapie, die vor allem bei der Behandlung von Entzündungen und Schmerzen, aber auch in vielen weiteren Bereichen eingesetzt werden kann, ließe sich in die Lehrinhalte der Inneren Medizin der klassischen medizinischen Ausbildung integrieren. Dank ihres breiten Indikationsspektrums nimmt sie in der Präventivmedizin, bei der Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen sowie in Rehabilitationsprozessen einen wichtigen Stellenwert ein.

Als Regulationstherapie bietet die Neuraltherapie nicht nur im Hinblick auf die Präferenz des Patienten Vorteile, sondern zeichnet sich auch durch ein sehr günstiges Verhältnis von Kosten, Nutzen und Risiko aus. Diese Methode ermöglicht eine Verringerung des Medikamentenverbrauchs, die Vermeidung krankheitsbedingter Arbeitsausfälle, die Minimierung chirurgischer Eingriffe, das Ende der dauerhaften Medikamenteneinnahme bei chronischen Erkrankungen sowie die ganzheitliche Behandlung multimorbider Patienten.

Der Regulations- und Schmerztherapie liegt ein Ungleichgewicht zwischen den afferenten und efferenten Reaktionen des sympathischen Systems zugrunde. Das sympathische Nervensystem spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulation der neurogenen Entzündung und der Nozizeption (Schmerzreaktionen). Prozesse wie die Ausschüttung schmerzauslösender Mediatoren, die Weiterleitung von Schmerzsignalen, die Bildung von Reflexbögen als Antwort auf diese Signale und die Auslösung entzündlicher Reaktionen werden größtenteils vom autonomen Nervensystem und der sympathischen Struktur gesteuert.

Ohne das sympathische Nervensystem entsteht kein Schmerz. Aus dieser Perspektive lässt sich die Bedeutung der Neuraltherapie und der Lokalanästhetika-Injektionen klarer erfassen. Aus diesem Grund verschafft eine detaillierte Kenntnis der sympathischen Innervation der Organe einen großen Vorteil, um bei der Behandlung des eigentlichen Schmerzes erfolgreich zu sein.

NEURALTHERAPIE

Unser Körper funktioniert als elektrisches System. Durch Lokalanästhetika-Injektionen, die an bestimmten Stellen verabreicht werden, werden die Blutzirkulation (Arterien und Venen), die Muskelregulation, die Lymphzirkulation sowie die Kommunikation des peripheren, zentralen und autonomen Nervensystems ins Gleichgewicht gebracht. Durch die Steigerung der Blutzirkulation, also der Perfusion, wird die Versorgung des Gewebes sichergestellt; mit zunehmender Lymphzirkulation werden die Gewebe von metabolischen Abfallstoffen gereinigt. Gewebe, deren Nervenleitung reguliert wurde, beginnen, systematischer zu funktionieren.

Die Grundvoraussetzung für den Erfolg der Therapie ist eine korrekte Diagnose. Der dabei angewandte diagnostische Ansatz muss individuell auf die Person zugeschnitten sein; die zeitlichen Auswirkungen der von der Person erlebten Veränderungen und deren Widerspiegelung in der funktionellen Struktur müssen berücksichtigt werden. Um eine wirksame Neuraltherapie durchführen zu können, ist es von großem Nutzen, eine von der IFMANT empfohlene und anerkannte Ausbildung zu absolvieren. Die einzige Organisation, die diese Ausbildung in der Türkei nach IFMANT-Standards anbietet, ist die Wissenschaftliche Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulation unter www.noralterapi.com.

Die Neuraltherapie ist eine Methode, die erfolgreich bei der Behandlung sowohl akuter als auch chronischer Erkrankungen angewendet wird. Bei diesem Behandlungsansatz erzeugt der Körper eine Reaktion, indem er sein eigenes vegetatives Nervensystem aktiviert.

Im Behandlungsverlauf werden an bestimmten Körperstellen Lokalanästhetika (meist Procain) verabreicht, wodurch eine positive Durchblutung angestrebt wird. Infolgedessen setzt der Körper seinen Selbstheilungsmechanismus in Gang, und die Krankheitssymptome beginnen abzunehmen. Aus diesem Grund gilt die Neuraltherapie als eine der wirksamsten natürlichen Behandlungsoptionen.

Das Grundprinzip der Neuraltherapie ist die Regulation. Anatomische Defizite oder genetische Störungen zählen jedoch nicht zu den geeigneten Indikationen für die Neuraltherapie. In diesem Sinne konzentriert sich die Behandlung darauf, die Regulation der vorhandenen Struktur sicherzustellen.

SYMPATHISCHES NERVENSYSTEM:

Reaktion und Funktion. Das sympathische Nervensystem spielt insbesondere bei Schmerzzuständen und allgemein bei Krankheitsprozessen wie Entzündung und Degeneration eine wichtige Rolle. Dieses System innerviert die Gefäße und steuert dadurch aktive Veränderungen wie deren Erweiterung oder Verengung.

Eine der grundlegenden Funktionen des sympathischen Nervensystems besteht darin, eine Vasokonstriktion zu bewirken, die bis zum vollständigen Verschluss der Gefäße reichen kann. Andererseits können sich die Gefäße infolge einer Sympathikolyse erweitern. Zudem ermöglichen selbst kleinste Reize die für Prozesse wie Geweberegeneration, Wachstum und Hyperplasie notwendige Gefäßerweiterung.

Bei der über das sympathische Nervensystem ausgelösten aktiven Gefäßerweiterung spielt Acetylcholin eine wichtige Rolle. Dies zeigt, dass die aktive vaskuläre Dilatation als parasympathische Aktivität eingestuft wird und ihr Zentrum in der sogenannten Pars intermedia des Rückenmarks liegt. Das autonome Nervensystem kann sowohl durch innere Dynamiken des Organismus als auch durch Umweltfaktoren gereizt werden. Die Reaktion auf diesen Reiz hängt individuell vom Ausgangszustand des Organismus und von der Intensität des Reizes ab. Die Empfindlichkeit des autonomen Nervensystems gegenüber äußeren Reizen nimmt vom Zentrum zur Peripherie hin zu. Im Unterschied zum somatischen Nervensystem kann sich im autonomen System ein dauerhaftes Gedächtnis bilden, das als „Engramm“ bezeichnet wird; mittel- oder hochintensive, wiederholte Reize senken die Erregungsschwelle dieses Systems fortlaufend.

Der Ablauf der Erregung und der Reizkette besteht aus folgenden Phasen: 1. Die Quelle des Reizes. 2. Die Aktivierung des sympathischen Nervensystems und die gerichtete Weiterleitung des Reizes. 3. Die Reizkette, die an den Endabschnitten der Kapillaren auf das Gefäßsystem einwirkt. 4. Die im jeweiligen Organ eintretenden, reizbedingten Folgen. Dieser Ablauf bildet den Grundmechanismus der Gefäßsystemreaktionen in der Stufenregel von G. Ricker. Die in den Geweben ablaufenden Prozesse können dabei ein breites Spektrum durchlaufen; dies kann sich in verschiedenen Erscheinungsformen zeigen, die von einer verbesserten Mikrozirkulation bis zur Gewebenekrose, von der Zellregeneration bis zum Zelltod oder zur zellulären Dysfunktion reichen.

Die Nutzung des sympathischen Nervensystems in der Therapie

Die sowohl diagnostischen als auch therapeutisch relevanten funktionellen Eigenschaften des vegetativen Nervensystems müssen berücksichtigt werden.

Das sympathische Nervensystem spielt aufgrund seiner im gesamten Organismus verteilten Struktur eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung und Unterstützung einer situationsgerechten Anpassung. Während dieses System als allgemeines Informationsnetzwerk des Organismus fungiert, übernimmt das parasympathische Nervensystem in den Bereichen Kopf, Hals und Rumpf in der Regel eine gegensätzliche (antagonistische) Funktion.

Die wichtigsten Aufgaben des sympathischen Nervensystems lassen sich wie folgt zusammenfassen:

- Regulation der Blutzirkulation
- Sicherstellung der Kontrolle der Organsysteme

Die Veränderungen und Prozesse in den Endgefäßen erfolgen in Abhängigkeit von den Reizen, die vom perivasalen sympathischen Nervensystem ausgehen. Bemerkenswert ist zudem, dass der Erregungszustand im perivasalen sympathischen Nervensystem trotz kurzzeitiger und begrenzter Reize fortbesteht.

Ein einmaliger Reiz kann im perivasalen sympathischen Nervensystem zu einer „Sensibilisierung“ führen, wodurch die Reizschwelle sinkt und die Reaktion auf den Reiz bei künftigen Begegnungen intensiver ausfallen kann.

Ein sehr starker Reiz oder eine wiederholte Exposition gegenüber einem mittelstarken Reiz kann im perivasalen sympathischen Nervensystem über den Mechanismus der Autoregulation zu einem Zustand dauerhafter Erregung führen. Die klinische Erscheinungsform dieses Zustands zeigt sich in der Regel als chronische Erkrankung.

BEHANDLUNGSOPTION:

Diese Reizkette kann durch eine lokalanästhetische Infiltration der gereizten Region unterbrochen werden. So wie wiederholte Reize im sympathischen Nervensystem Veränderungen der Erregung oder Empfindlichkeit hervorrufen, lassen sich diese Effekte durch wiederholte Lokalanästhesie-Anwendungen wieder beseitigen.

Berücksichtigt man die Reaktion des autonomen Nervensystems auf die Neuraltherapie, so beruht die Normalisierung der autonomen Erregungsleitung im therapeutischen Prozess weniger auf der Wirkdauer des Lokalanästhetikums als vielmehr auf der Unterbrechung der pathologischen Erregungsleitung. Aus diesem Grund ist es wichtig, ein möglichst kurzwirksames, aber wirksames Lokalanästhetikum zu wählen. Eine 0,5–1%ige Lösung des Esters Procain bietet, ohne Zusatzstoffe wie Vasokonstriktoren und Konservierungsmittel, eine optimale Möglichkeit der Lokalanästhesie.

Zu den häufigen Symptomen, die bei der Anwendung von Procain auftreten können, zählen leichter Schwindel, ein allgemeines Wärmegefühl, leichtes Schwitzen, ein metallischer Geschmack im Mund und ein Zittergefühl. In seltenen Fällen können auch kurzzeitige Konzentrationsstörungen sowie vorübergehende Störungen des Sprechens, Sehens oder Hörens auftreten.

Dr. Hüseyin Nazlikul
IFMANT = Präsident der Internationalen Neuraltherapie-Föderation
Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulation 

Verwendete Quellen: 

  • Nazlikul, H.: Lehrbuch der Neuraltherapie 
  • Nazlikul, H.: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
  • H. Barop, Neuraltherapie-Atlas (Übersetzer: H. Nazlikul) 
  •  L. Fischer, Neuraltherapie-Buch (Übersetzer: H. Nazlikul und Y. Tamam)
  • James W. NcNabb (Übersetzer: H. Nazlikul und Y. Tamam), Gelenk- und Weichteilinjektionen
  • Weinschenk, S.: Neuraltherapie 
  • Fischer, L. et al.: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie
  • Herget, F, H, Nazlikul, H : "Neurophysiologie und Neuropharmakologie der Schmerzmatrix" S. 56 ff in Abstractband Deutscher Schmerztag 1998
  • Barop, H. : Lehrbuch Neuraltherapie, 2. überarbeitete Auflage, Haug Verlag 2015
  • Fischer, L : Neuraltherapie nach Huneke 2004 HD
  • Reuter URM, Oettmeier R and Nazlikul H (2017) Procaine and Procaine-Base-Infusion: A Review of the Safety and Fields of Application after Twenty Years of Use. Clin Res Open Access 4(1): doi http://dx.doi.org/10.16966/2469-6714.127